Geschichte

1827 - 1834

WappenAutor: Prof. Univ. Dr. Helmut Arntz, Bad Honnef

Der Vater von Karl Simrock war Großgrundbesitzer in Honnef
Zwischen 1827 und 1830 kaufte er 86 Grundstücke im Bereich Menzenberg

Nikolaus Simrock, am 23. August 1756 in Mainz geboren, nach neun Jahren Dienst in einer französischen Militärkapelle auf sein Gesuch durch Kurfürst Maximilian Friedrich nach Bonn berufen, ist bis 1792 Waldhornist in der kurfürstlichen Kapelle. Gleichzeitig hat er schon einen Musikalienladen, aus dem um 1800 der Simrock'sche Musikverlag entsteht, und handelt mit Musikinstrumenten, Schreibwaren, Leinen und Wein. Das muss ihm ein beträchtliches Vermögen eingebracht haben; denn seit 1820 kauft Nikolaus Simrock, was an Grundstücken nur zu haben ist: den Wicheishof in Bonn, den Frohnhof in Niederbachem, zu dem fünf kleinere Weingüter gehören, vier Häuser in der Bonner Maargasse und Bonngasse, mehr als 20 große Ländereien in Poppelsdorf, Kessenich und andern (damals noch selbständigen) Bonner Stadtteilen. 1827 muss sein Auge auf Honnef gefallen sein; denn aus der Simrockschen Verkaufsliste, die 1838 abgeschlossen wird, gehen 86 Grundstücke hervor die in den Jahren 1827 bis 1830 erworben wurden, fast sämtlich in den Fluren 27, 28 und 29, also der Gegend um Hagerhof, Zickelburg, Menzenberg.

Den Anstoß zu diesem starken Engagement hatte vielleicht gegeben, dass Nikolaus Simrock, Vater von Karl Simrock, am 12. Oktober 1827 der Regierung in Köln zwei Weingüter im Menzenberg kaufen konnte, das "Reuschische" und das "Neunkirchsche", so nach den Pächtern benannt. Der Handriss zur Urkarte von 1825 ist in Flur 27 auf den Flurstücken 85 und 86 Weingut aus, beschriftet "Domainenpächter Jacob Reusch". Das andere Weingut liegt in Flur 29, Parzellen 306 und 307; gepachtet von Bertram Neunkirchen.

Der ehemalige Minoritenhof

Professor J.J. Brungs gibt in seinem verdienstvollen Buch "Die Stadt Honnef und ihre Geschichte" (1923) auf S. 112/113 eine lange Liste der von der Bergischen, später der Preußischen verpachteten, durch den Reichsdeputationshauptschluß vom 25. Februar 1803 Staatsbesitz gewordenen Honnefer Weingüter. Den von (damals noch Barthei) Neunkirchen gepachteten ehemaligen Minoritenhof, auf dem später "Haus Parzival" entstand, nennt er; der Name Reusch kommt unter den 15 Gütern und Weingärten nicht vor. Das "Reuschische" Weingut war aber gar nicht klein; es maß 39 Morgen 84 Ruten 96 Fuß magdeburgisch, was 101.600 Quadratmeter oder gut 10 Hektar sind, und war damit etwa ebenso groß wie das "Neunkirchsche" Weingut mit 41 Morgen 23 Ruten 41 Fuß oder fast genau 10,5 Hektar.

Großgrundbesitzer am Ort

Schon mit diesen beiden Weingütern war Nikolaus Simrock also für Honnefer Verhältnisse ein Großgrundbesitzer am Ort. Er besaß aber noch mehr, was aus der Verkaufsliste vielleicht nur unvollständig hervorgeht; lauter Grundstücke, die über die Flurlagen um "im Reuschen Berge", "zum Nötgen Stall" und "Am Menzenberg" so verstreut sind, dass sie offenbar nur als Geldanlage und ohne die Absicht gekauft waren, sie selbst zu nutzen. Nur jeweils ein Flurstück, zumeist Holzung, liegt Im Mütches Tal, Im Hilger, Am Betterkammer Puht, Auf der Sandkaul, Im Weizen Felde, Auf dem München Berge, dies als Beispiele aus den 25 Grundstücken in Flur 28; sonst sind es je Flurlage allenfalls zwei. Die Flurstücke sind, zumal für Holzungen, Im allgemeinen nicht groß; Nr. 200 zum Beispiel nur 7 Ruten 15 Fuß, also knapp 100 qm. Trotzdem ergeben die 86 Grundstücke in den vier Honnefer Fluren 27, 28, 29 und 30 zusammen 85 Morgen 105 Ruten 25 Fuß, also rund 22 Hektar.

1827 von Nikolaus Simrock erworben

Bei den Besitzverhältnissen gibt es ganz allgemein eine große Merkwürdigkeit; denn auf allen Parzellen sind Personen eingetragen, die sich auch nachweisen lassen; so in Flur 29 Martin Dewis, wohnhaft zu Köln (Art. Nr. 144 der Grundsteuermutterrolle) oder Adolph Heck sen. (Art. 284) und Wilhelm Mehles (Art. 548), beide zu Selhof wohnhaft. Die Parzellen, auf denen sie eingetragen sind, gehören aber zum "Neunkirchschen" Weingut, das ungeteilt, wie es der Staat 1803 von den Minoriten übernommen hatte, an Neunkirchen verpachtet und 1827 von Simrock erworben wird; die Eingetragenen können also nur Unterpächter der Pächter gewesen sein. Der Urhandriss als Grundlage des Katasters ist aber zum Zweck der Steuererhebung angelegt worden; alle darin auf Grundflächen vermerkten Personen müssen steuerpflichtig gewesen sein, obgleich es nur Unterpächter waren. Für die Honnefer Familiengeschichte und Namenskunde, um die sich Johannes Jansen so verdient macht, ist diese reiche Namensgut um 1825 ein Glücksfall.

Auch die Bewertung ist teilweise erstaunlich. Ein Weingarten des Pächters Reusch misst 2 Morgen 137 Ruten 75 Fuß oder gut 7 000 qm. Sein Reinertrag ist mit 12 Talern 18 Groschen 10 Pfennigen angesetzt. Welch enormer Wert das ist (ein Beweis für die hohe Wertschätzung des Honnefer Weinbaus noch um 1830) lässt sich erkennen, wenn das Haus des Jacob Reusch damit verglichen wird, das sich mit einem Reinertrag von 28 Groschen 35 Pfennigen ganz erbärmlich dagegen ausnimmt. Allerdings war der "Reinertrag" meilenweit entfernt vom Grundstückswert; denn bei der Simrock'schen Erbteilung ist das "Reuschische" Weingut mit 2 750 Taler preußisch courant angesetzt.

Nicht lange in der Familie

Der immense Grundbesitz, den Nikolaus Simrock im Bonner Raum angehäuft hatte, ist nicht lange in der Familie geblieben, nachdem der Erblasser am 12. Juni 1832 die Augen geschlossen hatte. 1837 erwirbt der Bonner Major Karl von Wumb den größten Teil des Honnefer Besitzes, und nur das nach 1834 auf ein Siebtel verkleinerte "Neunkirsche" Weingut bleibt Simrockbesitz.

Karl Simrock wollte kein Honnefer Winzer werden

Kaum ist Nikolaus Simrock am 12. Juni 1832 verstorben, da schwärmen die Erben aus, um den Grundbesitz zu Geld zu machen. Karl mit seinem Bruder Joseph, Eigentümer eines lithographischen Instituts in Bonn, und ihrem Schwager Anton Keil, vormals Justizbeamter, der in Paris lebt, fällt die Aufgabe zu, die beiden Honnefer Weingüter, das "Reuschische" und das "Neunkirchsche", unter den Hammer zu bringen. So erscheint Notar Clemens August Schäle zu Königswinter "in Gemäßheit des von dem Herrn Carl Simrock Kammergerichts Referendar dermalen in Bonn wohnhaft, am Zweiten Oktober (1832) vor dem instrumentirenden Notar passirten Depositionsactes" in der "Behausung des Gastwirthes Michael Velt zu Königswinter", um auf den Grund der niedergelegten Bedingungen den Verkauf zweier zu Honnef am Menzenberg gelegenen ihm und seinen Miterben gehörigen Weingüter vorzunehmen. In Anwesenheit mehrerer "Steigtustiger" wird von ihm das Bedingungsheft verlesen. Über den weiteren Verlauf hält das Protokoll fest:

"Diesemnach wurde das erste Weingut, wovon Verzeichnus und Abschätzung vorgelegt und vorgelesen wurde, ausgestellt, und zwar um die Taxe von zwey tausend neunhundert ein und vierzig Thaler. Da nach einiger Zwischenzeit kein Gebot erfolgte, so wurde von den Requirenten beliebt, daß das zweite Weingut, benutzt von Heinrich Neunkirchen, ausgestellet werde, weiches sodann um die Taxe von zwey tausend drey hundert sieben und sechszig Thater ausgestellt würde. Es bot Herr Cart Ludwig Fabricius, Königlicher Oberbergbeamter zu Bonn, zwey tausend zwey hundert Thaler. Da kein höheres Gebot erfolgte, so ,beliebten die Herren Requitenten, daß beide Weingüter zusammen ausgesetzt würden. Herr Peter Mäurer, Wirth zu Königswinter, bot drey tausend fünf hundert Thaler. - Herr Philipp Joseph Lennä, Gutsbesitzer zu Honnef, bot vier tausend Thaler. - Herr Franz Cart Anton Simrock, Gasthalter zu Bonn, bot vier tausend zwey hundert Thaler. Da dieses letzte Gebot weit unter Taxe geblieben ist, so erklärten die Requirenten, daß sie hierfür den Zuschlag nicht ertheiten könnten und die Sitzung hiemit aufhöben, welches ich Notar den Anwesenden bekannt gemacht habe."

Auf dem Deckblatt vermerkt

"Die Erben Nicolas Simrock zu Bonn versuchen den Verkauf zweier Weingüter der aber nicht genehmigt wird", vermerkt Notar Schäfer auf dem Deckblatt. Die Schreibung "Nicolas" ist nicht fehlerhaft, sondern Nikolaus Simrock pflegte sich selbst mit der französischen Form zu bezeichnen. Drei seiner Töchter heirateten kleine französische Beamte, im Bonner Haus wird meist französisch gesprochen - Grund genug für Karl Simrock, sich nun erst recht "deutsch" zu fühlen und gewiss eine Ursache dafür, dass er, statt sich auf das juristische Studium zu beschränken, zu den Vorlesungen über deutsche Literaturgeschichte geht und, darauf aufbauend, selbst ein so bedeutender Künder deutscher Sprache und Überlieferung wird.

Auktionsmethoden

Noch hat er keine Absicht, den Parzival zwischen Rebstöcken zu übertragen; aber dies Idee kommt ihm bald. Einstweilen freilich ist das Ergebnis noch schlechter, als da Protokoll aussagt; denn Carl Ludwig Fabricius ist Karls Schwager, Ehemann von Anna Simrock, und wollte ebenso wie Bruder Franz Carl Anton kein Weingut ersteigern, sonder durch ein Gebot andere dazu ermuntern. Die drei Veranstalter der Auktion brauchen sich nicht zu schämen, denn die Bemühungen der Familienmitglieder, Grundbesitz zu veräußern sind ebenso erfolglos. Der Preis von 2367 Thalern, zu dem hier das an Neunkirchen verpachtete Weingut angeboten wird, ist genau der gleiche, zu dem Karl Simrock zwei Jahre später das Weingut von seiner Schwester Elisabeht Martin erwirbt.

"Angestellt für den Landgerichtsbezirk ..."

Ob dem Notar Clemens August Schäfer missfiel - wie so vielen seiner Landsleute - , dass die Rheinlande nach den napoleonischen Kriegen Preußen einverleibt worden waren? Während seine Bonner Kollegen sich "Königlich Preußischer Notar" nennen, heißt es bei ihm noch 1832: "ich, Notar C. A. Schäfer, angestellt für den Landgerichtsbezirk Cöln in der Stadt Königswinter im Herzogthum Berg residiernd ..."

Acht von dreizehn Kinder lebten beim Tod von Nikolaus Simrock noch

Dreizehn Kinder hatte Ottilie Francisca Blascheck Nikolaus Simrock über einen Zeitraum von einundzwanzig Jahren (von 1781 bis 1802) geboren; acht sind 1832 beim Tod des Vaters noch am Leben. Nach den ergebnislosen Bemühungen, durch den Verkauf des Grundbesitzers bares Geld zu gleichen Teilen ausschütten zu können, müssen die Acht sich etwas anderes einfallen lassen. Sie bitten den Königlich Preußischen Notar Carl Eilender am 4. November 1832 in die elterliche Wohnung, wo sie sich fast vollständig versammelt haben; nur das Ehepaar Joseph Anton Martin und Elisabeth geb. Simrock in Dünkirchen wird durch Anton Keil, Ehemann von Dorothea geb. Simrock vertreten. Die Comparenten erklären dem Notar:

"Nachdem der Versuch, durch öffentlichen Verkauf der Immobilien zur Theilung der Erbmasse zu gelangen, gescheitert sei, der Verkauf unter der Hand zu vortheilhaften Bedingungen aber ein weit aussehendes Ansehen zu gewinnen schien (d.h. langwierig sein werde), hätten sie einheitlich beschlossen, durch eine Natural-Theilung sämmtlicher Immobilien unter den Erbbetheiligten aller ferneren Weitläufigkeit ein Ziel zu setzen. Sie hätten demgemäß die zum Nachlaß gehörigen Immobilien (mit Ausschluß der schon in acht andere Loose vertheilt, und ersuchten mich, dieselben hergebrachter Maaßen unter sie zu verloosen."

Los 1 bis 8

Los 1: Der Wichelshof in Bonn. - Los 2: Das von Jacob Reusch gepachtete Domänenweingut "Im Reuschenberg", Menzenberg bei Honnef. - Los 3: Der Niederbachemer Frohnhof, fast 80 Morgen groß. - Los 4: Haus Nr. 394 in der Maargasse. - Los 5: Haus Nr. 392 in der Maargasse. - Los 6: Haus Nr. 391 in der Bonngasse. - Los 7: Das von Barthei, dann Bertram, nun Heinrich Neunkirchen gepachtete Domänenweingut am Menzenberg. - Los 8: Haus Nr. 505 in der Bonngasse; dazu bei Los 5 an die dreißig Ländereien, teilweise beachtlich groß, in den Gemeinden Poppelsdorf, Kessenich, Endenich, Lengsdorf, Dottendorf und Bonn.

Lose unterschiedlich

Es ist einleuchtend, dass die Lose im Wert sehr unterschiedlich sind. Die Erben, die alles in vorbildlicher Freundschaft regeln, haben daher eine "Masse" gebildet, eine Vermögensmenge also, aus der oder in die ausgeglichen wird. Dazu das Protokoll: "Durch Übereinkunft sämtlicher Erbbetheiligten ist der Werth jedes einzelnen Looses auf sechs tausend Thaler Preußisch courant festgesetzt worden,.so daß auf den Grund des ebenfalls durch Ubereinkunft festgesetzten Werthes der in jedes einzelne Loos fallenden Immobilien die einzelnen Betheiligten, je nachdem das ihnen zu befallene Loos mehr oder weniger als 66 Thaler beträgt, in baarem Gelde die Masse entschädigen oder von derselben entschädigt werden müssen. Das im Menzenberg bei Hon, Weingut nef gelegene an Reusch verpachtete ist zu einem Theilungswerthe von 2 750 Thaler angesetzt, woraus sich ein Minus von dreitausend zweihundert fünfzig Thalern ergibt, welche mithin diesem Loose aus der Masse vergütet werden müssen. Das sogenannte Neunkirchensche Weingut zu Menzenberg bei Honnef ist zu einem Theilungswerth von 2,367 Thaler angesetzt, woraus sich ein Minderbetrag von 3 633 Thalern ergibt, weichen mithin die Masse diesem Loose herauszuzahlen hat."

Weinernte beschlagnahmt

Die Pächter Jacob Reusch und Heinrich Neunkirchen sind erheblich verschuldet so dass ihnen die Simrocks die Weinernte beschlagnehrnen mussten, wie sich aus dem Protokoll ergibt: "in Betreff des im zweiten Loose beschriebenen Räuschischen und des im siebten Loose beschriebenen Neunkirchschen Weinguts soll der neue Eigenthümer berechtigt, jedoch nicht verpflichtet sein, die Schuldforderungen an die beiden Pächter von der Masse zu fünfzig Prozent ihres Nominalwerths zu übernehmen; jedoch ist er gehalten, sich innerhalb acht Tagen nach der Ziehung bei Verlust dieses Rechts, hierüber zu erklären."

Karl Simrock Eigentümer des fünften Loses

Bei der Ziehung fällt das zweite Los - das von Jacob Reusch gepachtete Weingut - der mit ihrem Ehemann Marcus Magnier in Paris lebenden Frau Elise geb. Simrock zu, das siebte Los - das von Heinrich Neunkirchen gepachtete Weingut - der mit ihrem Ehemann Joseph Anton Martin in Dünkirchen lebenden Frau Elisabeth geb. Simrock. Karl Simrock wird Eigentümer des fünften Loses, dem Haus Nr. 39 in der Maargasse, das an seinen Schwager, den Kgl. Oberbergbeamten Carl Ludwig Fabricius, und seine Ehefrau Maria Anna geb. Simrock vermietet ist, und der Fülle der einzelnen Ländereien in den damals noch selbständigen Gemeinden rund um Bonn. Es ist sicher das am schwierigsten zu bewirtschaftende Los. "Herr Anton Keil, als Bevollmächtigter des Herrn Joseph Anton Martin, welchem das siebte Loos zugefallen, und Frau Elise Magnier als Eigentümerin des zweiten Loses, von ihrem Ehemann hierzu ermächtigt, erklären hierdurch, dass sie die Schuldforderungen an die beiden Pächter der Weingüter zu 50 Prozent von der Masse übernehmen. Übrigens wird nur derjenige Teil der Forderung zu 50 Prozent überlassen, welcher nicht durch die in Beschlag gelegt diesjährige Weincrcenz bereits gedeckt ist."

Gekauft am 12. Oktober 1827

Das zweite Loos "besteht aus dem im Menzenberg bei Honnef gelegenen an Reusch verpachtete Weingut. Es besteht aus einem Wohngebäude, Kelterhaus, Stallung und Garten, 3 Morgen 178 Ruthen 97 Fuß Weingärten, 4 Morgen 162 Ruthen 95 Fuß Ackerland, 2 Morgen 143 Ruthen 20 Fuß Wiesen und Baumgärten, 25 Morgen 106 Ruthen 70 Fuß Holzungen, zusammen 39 Morgen 84 Ruthen 96 Fuß magdeburgisch (oder fast genau 70 Hektar). Der Erblasser der Comparenten hat das Gut von der Kgl. Regierung zu Cöln den 12. Oktober 1827 gekauft, welcher Kauf den 31. May desselben Jahres vom Kgl. Finanz Ministerium genehmigt worden ist."

Das siebte Los "besteht aus dem sogenannten Neunkirchschen Weingut zu Menzenberg bei Honnef und enthält Wohngebäude, Kelterhaus, Stallung und Garten, 3 Morgen 151 Ruthen 77 Fuß Weingärten, 4 Morgen 17 Ruthen 20 Fuß Ackerland, 34 Morgen 62 Ruthen 20 Fuß Holzungen und Heiden, 3 Morgen 54 Ruthen 5 Fuß Wiesen, zusammen 41 Morgen 23 Ruthen 41 Fuß Magdeburger Maaß (oder rund 10,5 Hektar). Der Erblasser hat dasselbe von der Kgl. Regierung zu Cöln den 12. Oktober 1827 angekauft, welcher Kauf am 31.May desselben Jahres vom Kgl. Finanzministerium genehmigt worden ist. Daß die Kaufschillinge bezahlt wurden, beweisen die Quittungen des Domainrates Schäfer vom 23. Oktober 1827. Am 13. May 1829 und am 11. Januar 1831 hat er von Bertram Neunkirchen noch zwei Parzellen dazu an sich gekauft, und ergibt sich aus den Acten selbst die Bezahlung der desfallsigen Kaufschillinge." Die beiden zuletzt erwähnten Parzellen hatten nach Ausweis des Urhandrisses unmittelbar an den Domänengrundstücken gelegen; deshalb war ihr Erwerb wichtig. Der Pächter heißt hier noch Bertram, in andern Urkunden Heinrich Neunkirchen; dabei dürfte es um Vater und Sohn gehen.

Tücke des Losentscheids

Statt leicht und günstig zu vermietender Häuser hatten die französischen Familien Magnier in Paris und Martin in Dünkirchen durch die Tücke des Losentscheids zwei Weingüter mit hoch verschuldeten Pächtern erhalten - so hoch, dass ihnen die Weinernte des laufenden Jahres bereits mit Beschlag belegt war. Man kann sich denken, wie sehr den neuen Besitzern daran gelegen ist, das teure Erbe gegen gutes Geld einzutauschen. Die Magnier müssen fünf Jahre warten, bis der Verkauf des Reuschischen Weinguts an den Bonner Major Karl von Wumb gelingt; vom Schicksal des Neunkirchenschen Weinguts werden wir noch hören. "Zu dem gegenwärtigen Act wurden neun Stunden verwendet", und Notar Eilender kassiert einen Stempel von einem ganzen Taler - das waren Zeiten!